Marc Botschen | specters

Ausstellung: bis 24. März, Besuch nach Vereinbarung
Performance & Tape-Release: Schlonz Maggo

In seiner Arbeit beschäftigt sich Marc Botschen mit dem Selbst und dessen Simulacren. Wie materialisiert es sich, an welche referenziellen Gegenständlichkeit knüpft es sich, um sich seiner selbst zu versichern — politisch, sozial, spirituell oder identitär? Wie veräußert es sich und welche Rolle spielen Bilder in diesem Prozess der beständigen Affizierung, der zwischen Fremd- und Selbstbestimmung hin und her pendelt, zwischen vorgegebenen Strukturen und deren Dekonstruktion? Mit der Fotografie als zentralem Medium zeigen seine neuesten Arbeiten eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Ahnenpass seines Urgroßvaters. Basierend auf diesem historischen Dokument, mit dem die sogenannte „arische Herkunft“ von Teilen seiner Familie ausführlich nachgewiesen werden sollte, schafft er Werke, die den althergebrachten Identitätsbegriff zersetzen, sich dessen Identifikationsprozessen verweigern, und stattdessen für eine Ästhetik der Auflösung plädieren. Bestimmend für die Entwicklung seiner Arbeiten ist dabei der Versuch, das Medium Fotografie im engeren, und Bilder im weiteren Sinne als Moment des verdichteten Sichtbar-Machens und Durchschauens zu verwenden — als Teil einer emanzipatorischen Bewegung, die sich mit ideologisch geprägten Bildwelten und Apparaten auseinandersetzt, um ihre Erscheinungsformen im Hier und Jetzt zu registrieren, ins Bild zu setzen, und idealerweise zu überwinden.
Seine Arbeitsprozesse sind dem folgend von Prinzipien der Dekonstruktion, Transformation, des Verdauens und Ruinierens geprägt. Die materiellen Formen, die seine Werke annehmen, und insbesondere die daraus resultierenden Fotografien, können als kurzzeitige Fixierung dieser an sich offenen und endlosen Prozesse gesehen werden – als ein Moment der Sinnstiftung, mal als fotografischer Print, mal als Relief, mal als Skulptur oder mal als Text. In ihrer Praxis folgen sie dabei 3 grundlegenden Prämissen: 1. Egal welches Material, es zählt die Qualität als Bild. 2. Die Symbole, mit denen du spielst, sind stärker als du selbst. 3. Es gibt keine Bilder, sondern nur Reaktionen.

Marc Botschen studierte freie Kunst an der HfbK in Hamburg und schloss 2021 sein Studium bei Adam Broomberg und Oliver Chanarin mit dem Master of Fine Arts ab. 
Marc Botschen (*1991) lebt und arbeitet in Hamburg.

https://marcbotschen.com/de


Schlonz Maggo: Eine Krake im Lago, ein Schlonz in der Suppe und acht Arme haben den Vorteil mehrere Sequenzer auf einmal zu bedienen und trotzdem noch nach Blasinstrumenten zu greifen. Seite A quasi extra dafür aufgenommen, Seite A dieses Tapes zu sein. Naturtrüb durch die Filter gelassen und nach einer Nacht im Kühlschrank nochmal aufgekocht – nur so erhält der Eintopf die richtige Konsistenz. Ab in den Urlaub, die Hüftgelenkschmerzen eines Lohnarbeiters.
Seite B ein Sammelsurium weiterer Tiefseetelepathen, die es irgendwie geschafft haben, sich aus atlantischen Festplatten ins Süßwasser des Lago Maggiore zu retten. Gute Reise, bringt was mit!