Alex Hojenski | Ein Pferd besitzen und selbst das Pferd sein


Ausstellung: bis 19. Mai, Besuch nach Vereinbarung

Träge, fransige Wesen ziehen sich durch den Raum, über den Boden, umkreisen Spiegel. Ihre Enden führen nach oben und hinter die Wände, wo sie fest verankert sind. Ein Pferd besitzen und selbst das Pferd sein folgt dem Bild einer Manege. Ein Pferd zu besitzen ist Statusfrage, aber auch Lebensaufgabe. Denn sind der Lebensraum und die Erfahrungen eines Tieres durch seine Haltung erst einmal limitiert, geht es für die Besitzer:innen darum für Entertainment zu sorgen. Futter, Bewegung, Abwechslung bis hin zu Sozialkontakten – alles will arrangiert sein. In der verantwortungsvollen Verbindung liegt das Perfide der Heimtierhaltung. Die Vorstellung selbst das Pferd zu sein, hat längst den Bereich von Kinderzimmern verlassen und überträgt das Verantwortungsgefüge auf (zwischen-)menschliche Situationen. Im sich Kümmern und alltäglichen Performen und dem darin eingeschlossenen Vorführen des Kümmerns liegt der Wunsch nach einer sinnvollen Betätigung, der Selbstoptimierung und der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben im Einklang mit anderen Lebewesen. Der Versuch, über sich selbst zu verfügen, anderseits verheddert sich in der Untrennbarkeit von Kultur und Natur, gesellschaftlichen Gefügen und persönlichen Widersprüchen. Die Begrenztheit des Ausstellungsraumes unterstreicht, dass auch einzeln sozialisierte Pferde Herden- und Fluchttiere sind. In der Halbtransparenz der Objekte bleibt wenigstens die Möglichkeit, sich zwischen ihnen aufzulösen.

Alex Hojenski arbeitet mit den Hüllen, die uns umgeben: materiell, sozial, wie strukturell, greifbar oder fluide und (un)durchlässig. In ihren Rauminstallationen und begehbaren Objekten treffen Spezialtextilien auf Malerei als ein Medium, das eine Verbindung eingeht, einen Abdruck hinterlässt oder eine Prägung vollzieht. Häufig vermischen sich in ihren Ausstellungen Produkt und Produktion. Hojenski konstruiert flexible, mobile und dehnbare Körper, die begehren, sich behaupten, aber nicht festgefahren sind. Sie können Behausungen bieten, zwischen Kostüm und Kapsel, Schlafsack und Baldachin. Durch sie transportieren sich Themenschwerpunkte wie Geborgenheit, wechselseitige Abhängigkeiten, spezies-übergreifende Körperlichkeit und der fragwürdige Wunsch „gerüstet zu sein“. 

Alex Hojenski studierte an den Akademien der Bildenden Künste in Nürnberg sowie in Wien und schloß ihr Studium 2019 an der HfBK Hamburg mit dem Master of Fine Arts bei Jutta Koether ab.
www.alexhojenski.com

Pose Dia ist das sound-performative Moniker der Hamburger Künstlerin Helena Ratka.

Die Filmemacherin, Performerin und Musikerin hat an der HfbK in Hamburg Visuelle Kommunikation studiert. Während des Studiums fing sie an im Golden Pudel Club aufzulegen und Soundtracks für ihre Filme zu schreiben und gründete und leitete von 2005-10 die Galerie „Pow“ in Altona mit Schwerpunkt auf interdisziplinären Kunstprojekten, sowie Konzerten, Lesungen und Filmabenden. Die kuratorische und vernetzende Arbeit setzte sie mit Nika Breitaupt ab 2011 als Resident im Pudel Club unter dem Namen »Next Time« fort. Seit 2005 realisierte sie verschiedene längere und kürzere Filmprojekte zwischen Dokumentation, Fiktion und Musik. Ausserdem hat sie für diverse Inszenierungen u.a. am Thalia Theater Videoarbeiten gemacht und seit 2018 für Mirja Biel Theatermusik geschrieben. Seit 2015 ist sie mit Sophia Kennedy zusammen »Shari Vari«, musikalisch zwischen Pop und Clubmusik angesiedelt und brachten 2019 Ihr erstes Album „NOW“ heraus.

Als Pose Dia erschien im Herbst 2020 ihr solo Debut „Front View“ auf Bureau B und in 2023 ihr zweites Album „Simulate Yourself“ auf R.i.O.
https://www.helenaratka.com