Marcel Tasler I Andy Kania I Julius Hofmann I Ronald Gerber I Sebastian Komnick I Johannes Westermann

Tiffany

mixed media


Ronald Gerber
Video

Ronald Gerber, lässt in seinem 40-minütigem Video „Spiegelpyramide“ drei konstruierte, auf ihre Art verschobene, aber plausibel erscheinende Künstlerpersönlichkeiten auf ungewöhnlich ehrliche, poetische und auch ironische Art aufeinander treffen. Der inhaltlich gelungene Punkt: Alle drei vorgeführten Künstler leiten aus ihrer Weltsicht ein und das selbe Kunstwerk her, das sich nahtlos in ihr Denken und bisheriges Schaffen einfügt. Er verblüfft, weil er drei Künstler das exakt gleiche Werk erfinden lässt: Eine verspiegelte Pyramide mit dreiseitiger Grundfläche, die der Arbeit ihren Namen gab: Spiegelpyramide. Gerber führt vor, dass jedes Kunstwerk erst durch den Kontext in dem es präsentiert wird seine Bedeutung erlangt, ebenso wie jeder Mensch erst durch das was ihm in seinem Umfeld widerfährt, seine vermeintlich immanente Persönlichkeit entwickelt. Neben Gerbers schauspielerischer Leistung, beeindruckt diese Arbeit durch ihre Balance von Ernsthaftigkeit und Witz. (Textauszug: Sabine Aichele-Elsner)

Julius Hofmann
Malerei, Video

Julius Hofmann illustriert keine ausgedachten Geschichten. Er zeigt, was in ihm ist: Zweifel und Ängste, geahnte Gefahren und Bedrohungen, auch das Spiel mit Verführungen, Verwandlungen und Maskeraden. Seine Geschichten entstehen beim Malen, formieren sich mit Pinsel und Farbe, auch mit Säge, Cutter, Pappe und Kleister und auf dem Rechner. Sie werden umgedeutet, erweitert, gelöscht – oft schneller, als sie entstanden sind. Julius Hofmann agiert wie eine Filmfabrik. Er ist Filmproduzent, Schauspieler, Masken- und Bühnenbildner, Kameramann, Schnitt- und Tonmeister und Regisseur in einem. Die Filme, erst wenige, doch schon meisterhaft sind von beklemmender Dichte, wie auch die Bilder. Die erscheinen wie komprimierte Filme. Dem Betrachter werden Vorgeschichten angedeutet und Ahnungen in das Danach ermöglicht. In der Galerie Oel-Früh zeigt er die Installation „Meine kleinen Freunde“.

Andy Kania
Fotografie

Andy Kania fotografiert dufte Typen in Leipzig, Berlin, New York. Seine Position bildet einen Kontrastpunkt zur klassischen Hochglanzmagazinfotografie: Anstatt geschminkter Stars, porträtiert er ungeschminkte Archetypen der Gesellschaft, Obdachlose, Kiezkönige, Prolls und Säufer. Kania will in seinen Arbeiten dem Mann und seinen Verhaltensmustern begegnen, wie er lebt, liebt und sein Ego zelebriert: Von einsam, rauchend, über nachdenklich bis angeberisch. Durch die Autorenschaft des Künstlers wirken die anonymen Modelle seltsam vertraut, beinahe familiär.

Sebastian Komnick
Fotografie

Geht man zum Studiofotografen schließt man einen Vertrag. Du fotografierst mich und ich bezahle deine Arbeit, meine Abbilder. Anders in den Ateliers der arabischen Welt. Die Fotostudios dienen als Orte der Transformation. Das tägliche Brot des Fotografen besteht darin, neue Welten zu erschaffen.
Doch ist das Portrait der Berufsfotografen nicht nur ein Beweis der eigenen Existenz, es gibt auch bemerkenswerte Rückschlüsse auf die Gesellschaft in der es entsteht. Seit 2006 lässt sich Sebastian Komnick in Fotostudios in der arabischen Welt ablichten. Unter dem Titel „ana arabi“ zeigt er die mannigfaltigen Ergebnisse. „Ich Selbst bin im Foto der Standard, der blinde Fleck, die vergleichende Konstante. Mein Interesse gilt nicht mir Selbst, vielmehr den narrativen Inszenierungen, Requisiten und Hintergründen, mit dem Gedanken, einer Beschreibung der arabischen Gesellschaft aus der Fotoatelierperspektive vor Ort.“

Marcel Tasler
Malerei, Grafik, Objekt

Marcel Taslers Arbeiten umfassen Malereien, Zeichnungen und Objekte. In humorvoller bis zynischer Weise verbindet er eine Haltung des Verweigerns mit der Motivation zu kommunizieren. Ohne dabei belehrend zu sein. Schnell und reudig, aber auch liebevoll und detailversessen erarbeitete Einzelstücke verschmelzen baukastenartig zu einem Gesamtkosmos, der sich um diese Fragen bewegt: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Und vielleicht am wichtigsten: Was machen wir hier? Weit entfernt von einem Lösungsangebot entwirft Tasler Bilder und Objekte, welche die unhinterfragten Sackgassen menschlichen Verlangens katalogisieren und verifizieren. Vielleicht, um eine Grundstimmung der Verwirrung zu stiften? Taslers Arbeiten reagieren auf Werbung, Produktplatzierung, Konsum und Alltagswahnsinn, auf zeitaktuelle Geschehnisse, wie auf individuelle Erfahrung. Diese kreative Auseinandersetzung schlägt sich in einer erstaunlichen Vielseitigkeit seines Werkes nieder.

Johannes Westermann

Malerei

Als Nachtwächter an den Pforten der Wahrnehmung spielt Johannes eine Runde Tetris im B-level Modus. In Gameboy-Color erscheint ein heller Raum, ein kleiner Junge malt hier Bilder, neuerdings schön bunt. Er wurde von der Farbe gefangen und von ihr dazu gezwungen, von seinem Spidermanatelier aus, all die Großkonzerne und Banken dieser wwWelt zu hypnotisieren – alle Schlüpfer werden nass. Ich bin Fuchur – meine Waffe ist der Synth.Gold.Sable von Kolibri, 110%ige Seriosität. Mehr Matisse als Picasso, hoffentlich – Graffitiman is painting a stillleben und dazu ein paar dreckige Hühner, die dich verzaubern wollen. Zusammen abhängen im Apairon, Teletubbies zurückwinkend. Cezannes Orangenkerne schmelzen dahin. Ein Pinselstrich sagt mehr als tausend Worte. „Man kann nicht zweimal in den gleichen Bus steigen.“ (Textauszug: Herkules)



Marcel Tasler I Andy Kania I Julius Hofmann I Ronald Gerber I Sebastian Komnick I Johannes Westermann – Tiffany

Ausstellung: Sa. 11. Juni - So. 26. Juni 2011